Wann sich ein Website-Relaunch lohnt — und wann nicht

· 6 Min. Lesezeit · webdesignr

Zwei Feldwege gabeln sich in einer weiten Wiesenlandschaft im Morgenlicht

Ein Website-Relaunch ist sinnvoll, wenn Struktur oder Technik der Seite ihre Aufgabe verhindern — nicht, wenn sie einfach nicht mehr gefällt. Das ist der Unterschied zwischen einer Investition und einer teuren Renovierung. Dieser Artikel zeigt dir fünf Anlässe, bei denen ein Relaunch die richtige Antwort ist, drei, bei denen er die falsche ist, und wie du für deinen eigenen Fall entscheidest. Er nennt keine Preise — was ein Relaunch kostet, hängt zu sehr vom Umfang ab, als dass eine Zahl hier ehrlich wäre.

Die falsche Frage: Wie alt ist unsere Website?

„Unsere Seite ist von 2019" ist kein Argument. Es gibt Websites von 2019, die hervorragend funktionieren, und solche von letztem Jahr, die niemanden erreichen. Das Alter sagt nichts darüber, ob die Seite ihre Aufgabe erfüllt. Die brauchbare Frage lautet: Was soll diese Website leisten, und woran scheitert sie gerade? Erst wenn die Antwort auf den zweiten Teil konkret ist, lässt sich beurteilen, ob ein Relaunch das passende Mittel ist. Konkret heißt: nicht „sie wirkt veraltet", sondern „auf dem Handy bricht das Menü, und zwei Drittel unserer Besucher kommen vom Handy". Nicht „sie gefällt uns nicht mehr", sondern „wir haben vier Leistungen, aber nur eine Seite, und stehen für drei davon nirgends in der Suche".

Fünf Anlässe, bei denen ein Relaunch die richtige Antwort ist

Gemeinsam ist allen fünf: Das Problem sitzt in der Struktur oder der Technik. Beides lässt sich nicht durch neue Texte oder Bilder beheben, weil es unter ihnen liegt.

  1. Die Struktur passt nicht mehr zum Geschäft. Aus einer Leistung sind fünf geworden, aus einer Zielgruppe drei. Wer alles auf eine Seite presst, kann für nichts davon gefunden werden — jede Suchanfrage braucht eine eigene Antwortseite.
  2. Die Technik begrenzt, was möglich ist. Jede Änderung braucht einen Dienstleister, jede neue Seite dauert Wochen. Wenn das System der Grund ist, warum nichts passiert, ist der Umbau die Voraussetzung für alles Weitere.
  3. Auf dem Handy funktioniert es nicht. Nicht „sieht gedrängt aus", sondern: Formulare lassen sich nicht ausfüllen, Menüs nicht bedienen, Ladezeiten treiben Besucher weg. Da der Großteil der Zugriffe mobil kommt, ist das kein Randthema.
  4. Die Positionierung hat sich geändert. Andere Zielgruppe, anderes Angebot, andere Preisklasse. Wenn die Website von einem Unternehmen erzählt, das es so nicht mehr gibt, ist die Substanz betroffen, nicht die Oberfläche.
  5. Die Seite ist gewachsen statt geplant. Über Jahre kamen Seiten dazu, wurden ersetzt, blieben liegen. Wenn niemand mehr sagen kann, welche Seiten es gibt und welche davon jemand braucht, ist die Ordnung selbst das Problem.

Drei Anlässe, die keinen Relaunch rechtfertigen

Diese drei führen regelmäßig zu Relaunch-Projekten — und lassen sich fast immer deutlich günstiger lösen.

Was wirklich gebraucht wird, wenn der Relaunch nicht die Antwort ist
Der AnlassWas meist wirklich hilft
„Die Seite sieht nicht mehr zeitgemäß aus."Ein gestalterisches Update auf der bestehenden Technik: Schriften, Abstände, Farben, Bilder. Ein Bruchteil des Aufwands, und die Sichtbarkeit bleibt unberührt, weil sich keine Adresse ändert.
„Wir bekommen keine Anfragen."Erst herausfinden, woran es liegt. Kommen überhaupt Besucher? Wenn nein, ist es ein Sichtbarkeitsproblem, und eine neue Seite ändert daran nichts. Wenn ja, liegt es an Texten, Angebot oder Kontaktweg — alles ohne Relaunch änderbar.
„Die Seite ist zu langsam."Meist sind es zu große Bilder und zu viele nachgeladene Skripte. Das lässt sich an der bestehenden Seite beheben. Ein Relaunch behebt es nebenbei mit — aber dafür allein lohnt er nicht.

Woran du es festmachst, statt es zu fühlen

Die meisten Relaunch-Entscheidungen fallen aus einem Gefühl heraus. Das ist verständlich, aber es macht die Entscheidung angreifbar — und es fehlt hinterher der Vergleichswert, an dem sich zeigen ließe, ob es etwas gebracht hat. Vier Zahlen genügen, und alle vier bekommst du kostenlos aus der Google Search Console und einem Analyse-Werkzeug deiner Wahl:

  • Wie viele Besucher kommen über die Suche? Bleibt die Zahl über Monate flach oder fällt sie, ist das ein Sichtbarkeitsproblem.
  • Für wie viele Suchbegriffe wirst du überhaupt gefunden? Sind es eine Handvoll, obwohl du fünf Leistungen anbietest, fehlen Seiten — ein Strukturproblem.
  • Wie viele Besucher nehmen Kontakt auf? Kommen viele und fragt niemand an, liegt es nicht an der Sichtbarkeit, sondern an der Seite selbst.
  • Wie verhalten sich Handy und Rechner zueinander? Bricht die Kontaktquote auf dem Handy ein, hast du ein technisches Problem und keins der Gestaltung.

Diese vier Zahlen brauchst du ohnehin — auch als Ausgangswert, um nach einem Relaunch beurteilen zu können, ob er gewirkt hat. Ohne sie ist auch die Erfolgskontrolle danach nur ein Gefühl.

Was in der Rechnung meist fehlt

Ein Relaunch kostet nicht nur Geld und Zeit, sondern vorübergehend auch Sichtbarkeit. Das ist normal und geht vorbei — aber nur, wenn der Umzug sauber vorbereitet wurde. Ist er das nicht, ist der Verlust dauerhaft, und die neue Seite startet bei null, obwohl die alte gefunden wurde. Wer das in die Entscheidung einbezieht, kommt manchmal zu einem anderen Ergebnis: Eine Website, die heute gute Positionen hat, ist ein Vermögenswert. Sie umzubauen ist etwas anderes, als eine Seite zu ersetzen, die ohnehin niemand findet. Wie sich dieser Verlust vermeiden lässt, steht ausführlich in unserem Artikel zum Relaunch ohne Rankingverlust — die Arbeit dafür fällt vor dem Livegang an, nicht danach.

Für einen Relaunch spricht

  • Struktur bildet das heutige Angebot nicht mehr ab
  • Die Technik verhindert Änderungen oder neue Seiten
  • Mobile Nutzung funktioniert nachweislich schlecht
  • Positionierung hat sich grundlegend geändert
  • Niemand hat mehr Überblick über den Seitenbestand

Dagegen spricht

  • Nur das Aussehen stört, Struktur und Technik tragen
  • Die Ursache für fehlende Anfragen ist ungeklärt
  • Die Seite hat gute Positionen, die auf dem Spiel stehen
  • Es fehlen Ausgangswerte, an denen der Erfolg messbar wäre
  • Der Auslöser ist ein Wechsel in der Zuständigkeit, kein Problem der Seite

Häufige Fragen

Wie oft sollte eine Website neu gemacht werden?

Es gibt kein sinnvolles Intervall. Eine gepflegte Website kann viele Jahre tragen, wenn Struktur und Technik stimmen und Inhalte laufend ergänzt werden. Der Auslöser sollte immer eine konkrete Einschränkung sein, nie ein Datum im Kalender.

Reicht ein Redesign statt eines Relaunchs?

Wenn sich keine Adresse ändert und die Technik bleibt, ja — dann ist es ein Redesign, und es ist deutlich günstiger und risikoärmer. Sobald sich die Seitenstruktur oder das System ändert, ist es ein Relaunch, auch wenn es niemand so nennt.

Verliere ich beim Relaunch meine Google-Positionen?

Nur wenn der Umzug nicht vorbereitet wird. Bei sauber gesetzten Weiterleitungen überträgt Google die Bewertung der alten Adressen auf die neuen. Ohne Weiterleitungen behandelt Google die alten Seiten als gelöscht — dann ist der Verlust dauerhaft.

Was ist der häufigste Fehler bei der Entscheidung?

Ein Relaunch als Antwort auf fehlende Anfragen, ohne vorher zu prüfen, ob überhaupt Besucher kommen. Kommt niemand, ist es ein Sichtbarkeitsproblem — eine neue Website löst es nicht, sie macht es nur teurer.

Städte

Wo wir als Webdesigner helfen

Unser Studio sitzt in Böblingen, zusammengearbeitet wird remote und deutschlandweit. Was das für Unternehmen in diesen Städten heißt, steht auf der jeweiligen Seite.

Dieser Beitrag gehört zum Webdesign-Ratgeber, in dem das Studio festhält, was es in Projekten selbst anwendet. Wie aus solchen Einzelthemen ein stimmiges Konzept wird, von der Positionierung bis zur Seitenstruktur, beschreibt die Übersicht zu Strategie und Konzeption.

Ob ein Vorgehen trägt, zeigt sich erst am fertigen Projekt. Neben der Theorie lohnt deshalb ein Blick auf umgesetzte Websites und ihre Ergebnisse: Dort steht, was sich nach dem Launch tatsächlich verändert hat, bei Anfragen, Sichtbarkeit und Wirkung der Marke.

Willst du nach dem Lesen wissen, was davon für deine eigene Website gilt, genügt eine Nachricht über die Kontaktseite. Im Erstgespräch von 20 Minuten klärt sich meist, welche Punkte Vorrang haben und welche warten können.

Die Artikel im Webdesign-Ratgeber von webdesignr entstehen aus der Arbeit mit Dienstleistern, B2B-Unternehmen und SaaS-Teams. Sie beschreiben Vorgehen, die sich dort bewährt haben, und benennen ebenso die Grenzen: Nicht jede Website braucht einen Relaunch, nicht jedes Problem eine neue Technik.

Hinter den Beiträgen steht keine Redaktion, sondern die Praxis aus Entwurf und Programmierung in Next.js. Empfehlungen zu Ladezeit, Struktur oder Texten sind deshalb so formuliert, dass du sie selbst prüfen oder an dein Team weitergeben kannst.

Jeder Artikel steht für sich, gehört aber zu einem der Schwerpunkte des Ratgebers: Relaunch, SEO und der Aufbau von B2B-Websites. Zu jedem dieser Schwerpunkte gibt es eine eigene Themenseite, die alle Beiträge dazu sammelt.