Website-Relaunch ohne Rankingverlust: was vorher passieren muss

· 8 Min. Lesezeit · webdesignr

Hölzerne Fußgängerbrücke über einen Bach in einer Blumenwiese im Morgenlicht

Ein Website-Relaunch ohne Rankingverlust ist kein Glücksfall, sondern das Ergebnis von etwa zwei Tagen Vorarbeit. Der Verlust entsteht selten durch die neue Seite selbst — er entsteht, weil die alten Adressen nach dem Umzug ins Leere laufen und Google die Sichtbarkeit nicht überträgt, sondern löscht. Dieser Artikel zeigt dir, was vor dem Livegang gesichert, beim Umzug übertragen und danach kontrolliert werden muss. Er richtet sich an alle, die einen Relaunch verantworten, nicht an Entwickler: Es geht um Entscheidungen und Reihenfolge, nicht um Code.

Warum ein Relaunch überhaupt Rankings kostet

Google bewertet keine Websites, sondern einzelne Adressen. Jede URL sammelt über Monate ihre eigene Historie: Sie wird gecrawlt, bewertet, verlinkt und irgendwann für bestimmte Suchbegriffe ausgespielt. Diese Bewertung hängt an der Adresse, nicht am Inhalt. Ändert sich beim Relaunch die Adresse — aus `/leistungen/webdesign` wird `/was-wir-machen` — dann ist für Google die alte Seite verschwunden und eine neue aufgetaucht. Die neue startet bei null. Die alte liefert eine Fehlermeldung und fällt nach einigen Crawls aus dem Index. Das ist der ganze Mechanismus. Er ist unspektakulär, und genau deshalb wird er übersehen: Die neue Website sieht besser aus, lädt schneller, hat bessere Texte — und verliert trotzdem, weil niemand Google gesagt hat, dass die Seite umgezogen ist statt gelöscht.

301-Weiterleitung
Die technische Auskunft „diese Seite ist dauerhaft unter einer neuen Adresse zu finden". Google überträgt die Bewertung der alten Adresse auf die neue. Die Alternative, eine 302, bedeutet „nur vorübergehend" und überträgt deutlich weniger — beim Relaunch ist sie fast immer falsch.

Schritt 1: Den Bestand sichern, solange es ihn noch gibt

Das ist der Schritt, der am häufigsten fehlt, und der einzige, der sich später nicht nachholen lässt. Du brauchst eine vollständige Liste aller URLs der alten Website — und zwar bevor sie abgeschaltet wird. Keine einzelne Quelle liefert diese Liste komplett. Jede zeigt einen anderen Ausschnitt, deshalb kombinierst du sie:

Vier Quellen für die alten Adressen — jede findet, was die andere übersieht
QuelleWas sie liefertZeitkritisch?
Google Search ConsoleAlle URLs, die Google kennt, plus die Angabe, welche davon Klicks gebracht haben. Die wichtigste Quelle, weil sie Prioritäten setzt.Ja — Daten reichen 16 Monate zurück und wandern weiter
Sitemap der alten SeiteDie Adressen, die die alte Website selbst für wichtig hielt. Vollständig, aber ohne Gewichtung.Ja — verschwindet mit der Abschaltung
Server-LogfilesWelche Adressen tatsächlich aufgerufen wurden, auch von Menschen statt nur von Google.Ja — werden oft nach Wochen gelöscht
Backlink-WerkzeugeAdressen, auf die von außen verlinkt wird. Diese sind die wertvollsten, weil dort echte Verweiskraft hängt.Nein — Archive bleiben länger bestehen

Schritt 2: Die Weiterleitungskarte bauen

Aus der URL-Liste wird eine Tabelle mit zwei Spalten: alte Adresse links, neue Adresse rechts. Diese Karte ist das eigentliche Arbeitsergebnis der Relaunch-Vorbereitung. Sie wird vor dem Livegang gebaut, nicht danach. Für jede Zeile gilt dieselbe Frage: Welche neue Seite beantwortet dasselbe Anliegen wie die alte? Nicht welche heißt ähnlich, sondern welche liefert dem Besucher, wonach er gesucht hat.

  • Eine Weiterleitung pro alter Adresse, kein Umweg über eine dritte. Jede zusätzliche Station kostet Übertragung und Ladezeit.
  • Immer 301, nie 302. Die 302 sagt „vorübergehend" und überträgt kaum etwas.
  • Thematisch passendes Ziel. Eine Seite über Landingpages gehört auf die neue Seite über Landingpages, nicht auf die Startseite.
  • Nicht pauschal alles auf die Startseite. Google erkennt das und behandelt es als Fehlerseite — die Rankings sind dann genauso weg, nur langsamer.
  • Adressen mit Backlinks zuerst. Dort hängt Verweiskraft von außen, die sich nicht zurückholen lässt.
  • Fällt keine passende Seite ein, ist das ein inhaltliches Signal: Entweder fehlt die neue Seite, oder die alte war entbehrlich. Beides ist eine bewusste Entscheidung, kein technisches Detail.

Schritt 3: Was außer den Adressen noch mitwandern muss

Weiterleitungen retten die Adresse. Sie retten nicht automatisch, was die Seite ausgemacht hat. Die Seitentitel. Der Titel ist das, was in den Suchergebnissen steht, und er ist ein direktes Ranking-Signal. Ein Relaunch, bei dem alle Titel auf „Startseite | Firmenname" vereinheitlicht werden, verliert genau die Begriffe, für die die Seiten gefunden wurden. Der Textumfang. Häufiger Relaunch-Reflex: Die neue Seite ist schöner und kürzer. Wenn ein Abschnitt aber der Grund war, warum die Seite zu einer Frage rankte, verschwindet mit dem Text auch die Antwort — und damit die Position. Die interne Verlinkung. Alte Seiten verlinkten aufeinander und verteilten dabei Gewicht. Wird die Struktur neu gebaut, ohne die Verlinkung mitzudenken, entstehen Seiten, die zwar existieren, aber von nirgendwo erreichbar sind. Google findet sie dann nur über die Sitemap und behandelt sie entsprechend nachrangig. Die Adressen der Bilder. Bilder haben eigene URLs und ranken in der Bildersuche. Ein Umzug in eine neue Ordnerstruktur ohne Weiterleitung setzt auch diese Rankings zurück.

Schritt 4: Die ersten vier Wochen nach dem Livegang

Der Umzug ist nicht am Tag des Livegangs fertig, sondern etwa vier Wochen später. So lange braucht Google, um eine mittelgroße Website neu zu erfassen. In dieser Zeit ist ein Rückgang normal — dauerhaft wird er nur, wenn niemand hinschaut.

Kontrollplan nach dem Livegang
WannWas prüfenWo
Tag 1Stichprobe von zwanzig alten Adressen aufrufen. Jede muss in einem Schritt auf der richtigen neuen Seite landen.Browser, oder ein Crawler über die Weiterleitungskarte
Tag 1Neue Sitemap einreichen und die wichtigsten Seiten zur Indexierung anmelden.Search Console
Woche 1Fehlerseiten prüfen. Jede 404 mit Zugriffen ist eine vergessene Weiterleitung.Search Console, Bericht „Seiten"
Woche 2–4Indexierung beobachten: Werden die neuen Seiten aufgenommen?Search Console
Woche 4Klicks und Impressionen mit dem Zeitraum vor dem Relaunch vergleichen.Search Console, Bericht „Leistung"

Bleibt der Einbruch nach vier Wochen bestehen, liegt es fast immer an einer dieser drei Ursachen: Weiterleitungen fehlen, sie zeigen auf die falschen Seiten, oder die neuen Seiten sind versehentlich für Suchmaschinen gesperrt. Google beschreibt das Vorgehen bei Umzügen mit Adressänderung ausführlich in der Search-Central-Dokumentation — sie ist die verlässlichste Quelle dazu, weil sie direkt von der Suchmaschine stammt.

Woran ein Relaunch scheitert — und woran er sich hält

Die Unterschiede zwischen einem Relaunch, der seine Sichtbarkeit behält, und einem, der sie verliert, sind erstaunlich wenige. Sie entscheiden sich fast alle in der Woche vor dem Livegang.

Was einen Relaunch trägt

  • URL-Liste steht vor der Abschaltung der alten Seite
  • Jede alte Adresse hat ein eigenes, passendes Ziel
  • Titel und Textsubstanz der rankenden Seiten wandern mit
  • Search Console war schon vor dem Umzug eingerichtet
  • Vier Wochen eingeplant, um nachzusteuern

Was ihn teuer macht

  • Alte Seite abgeschaltet, bevor jemand die Adressen notiert hat
  • Alles per Sammelweiterleitung auf die Startseite
  • Texte im Zuge des Redesigns radikal gekürzt
  • Search Console erst nach dem Einbruch eingerichtet
  • Testumgebung für Suchmaschinen gesperrt — und die Sperre bleibt beim Livegang stehen

Der letzte Punkt verdient eine eigene Warnung, weil er so leicht passiert und so teuer ist: Während der Entwicklung wird die neue Seite für Suchmaschinen gesperrt, damit die unfertige Fassung nicht im Index landet. Das ist richtig. Wird die Sperre beim Livegang nicht entfernt, ist die fertige Website für Google unsichtbar — und zwar vollständig. Der Fehler ist eine einzige Zeile und fällt oft erst nach Wochen auf. Wer den Ablauf einmal vollständig vor sich haben will, findet ihn in unserer Checkliste für den B2B-Relaunch in zwölf Schritten.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich die Rankings nach einem Relaunch erholen?

Bei sauber gesetzten Weiterleitungen sind die Positionen meist nach zwei bis vier Wochen wieder auf dem alten Stand. Entscheidend ist, wie schnell Google die Seite neu crawlt — das hängt von ihrer Größe und der bisherigen Crawl-Häufigkeit ab. Ein Rückgang in den ersten Tagen ist normal und kein Grund, etwas zurückzudrehen.

Muss ich Weiterleitungen für alle alten URLs anlegen?

Für alle, die Zugriffe hatten, im Index waren oder von außen verlinkt sind. Seiten, die nie jemand aufgerufen hat und die niemand verlinkt, dürfen auslaufen. Die Search Console zeigt dir, welche das sind — deshalb ist sie die erste Quelle für die Weiterleitungskarte.

Kann ich alle alten Adressen auf die Startseite leiten?

Technisch ja, praktisch nein. Google prüft, ob das Weiterleitungsziel thematisch zur alten Seite passt. Tut es das nicht, wird die Weiterleitung wie eine Fehlerseite behandelt und überträgt nichts. Das Ergebnis ist derselbe Rankingverlust wie ohne Weiterleitung, nur weniger sichtbar.

Was ist, wenn der Relaunch schon gelaufen ist und die Rankings weg sind?

Dann ist die Reihenfolge dieselbe, nur unter Zeitdruck. Hole die alten Adressen aus der Search Console (Bericht „Seiten", Filter „Nicht gefunden") und aus Archivdiensten, setze die Weiterleitungen nach und melde die wichtigsten Seiten zur Indexierung an. Je länger eine Adresse eine Fehlermeldung liefert, desto weniger ist zurückzuholen.

Brauche ich dafür eine Agentur?

Die Bestandsaufnahme und die Weiterleitungskarte kannst du selbst erstellen, wenn du Zugriff auf die Search Console hast — es ist Fleißarbeit, keine Spezialdisziplin. Technisch anspruchsvoll wird es beim Einrichten der Weiterleitungen und bei der Kontrolle danach. Wer beides zum ersten Mal macht, sollte zumindest die Weiterleitungskarte gegenlesen lassen, bevor die alte Seite abgeschaltet wird.

Städte

Wo wir als Webdesigner helfen

Unser Studio sitzt in Böblingen, zusammengearbeitet wird remote und deutschlandweit. Was das für Unternehmen in diesen Städten heißt, steht auf der jeweiligen Seite.

Dieser Beitrag gehört zum Webdesign-Ratgeber, in dem das Studio festhält, was es in Projekten selbst anwendet. Wie aus solchen Einzelthemen ein stimmiges Konzept wird, von der Positionierung bis zur Seitenstruktur, beschreibt die Übersicht zu Strategie und Konzeption.

Ob ein Vorgehen trägt, zeigt sich erst am fertigen Projekt. Neben der Theorie lohnt deshalb ein Blick auf umgesetzte Websites und ihre Ergebnisse: Dort steht, was sich nach dem Launch tatsächlich verändert hat, bei Anfragen, Sichtbarkeit und Wirkung der Marke.

Willst du nach dem Lesen wissen, was davon für deine eigene Website gilt, genügt eine Nachricht über die Kontaktseite. Im Erstgespräch von 20 Minuten klärt sich meist, welche Punkte Vorrang haben und welche warten können.

Die Artikel im Webdesign-Ratgeber von webdesignr entstehen aus der Arbeit mit Dienstleistern, B2B-Unternehmen und SaaS-Teams. Sie beschreiben Vorgehen, die sich dort bewährt haben, und benennen ebenso die Grenzen: Nicht jede Website braucht einen Relaunch, nicht jedes Problem eine neue Technik.

Hinter den Beiträgen steht keine Redaktion, sondern die Praxis aus Entwurf und Programmierung in Next.js. Empfehlungen zu Ladezeit, Struktur oder Texten sind deshalb so formuliert, dass du sie selbst prüfen oder an dein Team weitergeben kannst.

Jeder Artikel steht für sich, gehört aber zu einem der Schwerpunkte des Ratgebers: Relaunch, SEO und der Aufbau von B2B-Websites. Zu jedem dieser Schwerpunkte gibt es eine eigene Themenseite, die alle Beiträge dazu sammelt.