Wie lange dauert ein Website-Relaunch wirklich?
· 4 Min. Lesezeit · webdesignr

Wie lange ein Website-Relaunch dauert, entscheidet sich fast nie in der Umsetzung. Es entscheidet sich daran, wie schnell Inhalte fertig werden und wie klar geregelt ist, wer etwas freigibt. Dieser Artikel beschreibt die sechs Phasen eines Relaunchs, benennt für jede den typischen Engpass und zeigt, welche Entscheidungen den Zeitplan retten. Konkrete Wochenzahlen nennt er bewusst nicht — sie hängen vom Umfang ab und wären ohne Kenntnis des Projekts geraten.
Warum Zeitpläne bei Relaunches reißen
Ein Relaunch-Angebot beschreibt meist die Arbeit der Agentur: Konzept, Gestaltung, Umsetzung, Tests. Diese Arbeit ist planbar, weil sie in einer Hand liegt. Der Zeitplan reißt fast immer an den Stellen dazwischen — dort, wo das Projekt auf den Kunden wartet. Auf Texte. Auf Bilder. Auf eine Entscheidung, die drei Personen gemeinsam treffen müssen, von denen zwei im Urlaub sind. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Eigenschaft von Relaunch-Projekten: Sie laufen neben dem Tagesgeschäft. Genau deshalb gehören die Wartezeiten in den Plan und nicht in die Hoffnung.
Die sechs Phasen und wo sie hängen bleiben
| Phase | Was passiert | Typischer Engpass |
|---|---|---|
| 1. Bestandsaufnahme | Alle bestehenden Seiten erfassen, Zugriffe und Positionen sichern, Ziele festlegen. | Fehlender Zugang zu Search Console oder Analyse-Werkzeug |
| 2. Struktur | Welche Seiten wird es geben, wie heißen sie, wie hängen sie zusammen. | Uneinigkeit darüber, welche Leistungen eigene Seiten bekommen |
| 3. Inhalte | Texte schreiben, Bilder beschaffen, Nachweise und Referenzen klären. | Die längste Phase. Texte, die noch niemand geschrieben hat |
| 4. Gestaltung und Umsetzung | Entwürfe, Abstimmung, Bau der Seiten. | Abstimmungsrunden ohne festen Entscheider |
| 5. Umzug vorbereiten | Weiterleitungskarte bauen, Technik prüfen, Testlauf. | Wird oft vergessen und dann in einem Tag gehetzt |
| 6. Livegang und Kontrolle | Umschalten, prüfen, in den Wochen danach nachsteuern. | Projekt gilt als beendet, sobald die Seite online ist |
Vier Entscheidungen, die den Zeitplan retten
- Einen Entscheider benennen, nicht ein Gremium. Eine Person mit Freigaberecht. Runden, in denen fünf Meinungen zusammenkommen, kosten pro Durchgang mehr Zeit als der Entwurf selbst.
- Inhalte vor Gestaltung. Wer Texte in fertige Entwürfe einfügt, muss das Layout danach anpassen. Wer mit den Texten beginnt, gestaltet für den echten Inhalt.
- Umfang früh festlegen und einfrieren. Jede zusätzliche Seite, die während der Umsetzung dazukommt, verschiebt den Termin. Nachträge sind legitim — aber sie gehören in eine zweite Runde nach dem Livegang.
- Den Umzug von Anfang an mitplanen. Die Weiterleitungskarte entsteht parallel zur Struktur, nicht am Ende. Wer sie erst kurz vor dem Livegang baut, baut sie unter Zeitdruck und macht Fehler, die Sichtbarkeit kosten.
Was nach dem Livegang noch dazugehört
Der Livegang ist kein Projektende, sondern der Anfang der Kontrollphase. Google braucht Wochen, um eine umgezogene Website neu zu erfassen. In dieser Zeit zeigt sich, ob die Weiterleitungen greifen, ob alle Seiten aufgenommen werden und ob die Positionen zurückkommen. Realistisch sind vier Wochen, in denen jemand regelmäßig hinschaut und nachsteuert. Wer das nicht einplant, merkt Fehler erst, wenn die Anfragen ausbleiben — und dann ist die Ursache schwerer zu finden. Welche Kontrollen wann anstehen, steht im Detail in unserem Artikel zum Relaunch ohne Rankingverlust. Und wenn du noch vor der Entscheidung stehst, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt: hier stehen die Anlässe, die einen Relaunch rechtfertigen.
Häufige Fragen
Kann man einen Relaunch beschleunigen?
Ja, aber nicht bei der Umsetzung. Am wirksamsten ist es, die Inhalte vorzuziehen: Wenn Texte und Bilder fertig sind, bevor die Gestaltung beginnt, entfällt die längste Wartezeit im Projekt. Der zweite Hebel ist ein einzelner Entscheider statt einer Abstimmungsrunde.
Was passiert, wenn wir mitten im Projekt Seiten dazunehmen?
Der Termin verschiebt sich, und zwar meist stärker als um den Aufwand der neuen Seite. Jede Ergänzung berührt Struktur, Navigation und interne Verlinkung. Sinnvoller ist, sie für eine zweite Runde nach dem Livegang vorzumerken.
Sollten wir die neue Seite erst komplett fertigstellen oder in Teilen live gehen?
Für Websites mit wenigen Seiten ist ein gemeinsamer Livegang einfacher, weil die Weiterleitungen in einem Zug gesetzt werden. Bei größeren Beständen kann ein schrittweiser Umzug sinnvoll sein — er verlangt aber deutlich mehr Kontrolle, weil alte und neue Struktur eine Zeit lang nebeneinander bestehen.
Wann sollten wir die Search Console einrichten?
Vor dem Projektstart, nicht danach. Sie liefert die Ausgangswerte für die Bestandsaufnahme und später die Liste der alten Adressen für die Weiterleitungen. Eine erst nach dem Relaunch angelegte Property kennt die alte Website nicht — diese Daten sind dann verloren.